Was wird bei Bergsprints eigentlich belohnt? Hohe Leistung, geringes Gewicht oder eine Kombination aus beidem? Eine Prinzipbetrachtung.
Ein Bergsprint liefert, wie jedes Radrennen, eine Reihung der Teilnehmer gemäß ihrer erreichten Zeit für eine bestimmte Strecke. Trivial. - Oder?
Tatsächlich ist laut Österreichischem Radsportverband eine Zeitnehmung nicht Pflicht, das geht sogar soweit, daß der Begriff im gesamten Reglement nicht vorkommt, sondern schon eine abzählende Reihung entsprechend dem Zieleinlauf – also ohne Zeitangabe – genügt für eine gültige Wertung. Veranstalter von Radrennen setzen aber freilich nicht nur dem Publikum zuliebe trotzdem eine Zeitnehmung ein.

Damen waren nur zwei am Start - auffällig wenige. Dafür fanden sich umso mehr davon an der Strecke und auf der Alm.
Auf den ersten Blick mag diese zackige Ansage überraschen. Andererseits ist genau das der Grund, warum am Start fast nur die teuersten Mountainbikes zu sehen sind: Denn „teuer wiegt wenig“.
Aber nicht nur das Kaufen teuren Materials spart Kilogramm, auch das Abspecken beim Faktor Mensch. Doch dazu später.
Vorerst folgt ein Blick auf die körperliche Leistungsfähigkeit und ihre Verteilung innerhalb des Teilnehmerfeldes, der angesprochenen Voraussetzung.
Man muß nicht besonders trainiert sein, um einen Bergsprint zu schaffen – 200 bis 250 Watt Dauerleistung erbringt schon, wer halbwegs gesund lebt und keinem gröberen Laster (etwa dem Kettenrauchen) frönt und sich regelmäßig sportlich bewegt.
Wenn also die meisten Teilnehmer in etwa über dieselben leistungsmäßigen Voraussetzungen verfügen, wer gewinnt somit? - Genau: Es gewinnt der, der seine Leistung für das geringste Gewicht (die geringste Masse) einsetzen muß, weil sich daraus die höchste Geschwindigkeit – und damit die geringste Dauer für die Fahrt – ergibt.
Manch Bergsprinter verneint dies natürlich wider besseren Wissens, schließlich steht man lieber als starker Mann denn als gewichtsoptimierte Schmalschulter à la Kleiderbügel da. Doch zugleich bestätigt praktisch jeder der Teilnehmer die These vom leichten Gewinner durch das Verwenden von möglichst leichtem Material, also möglichst leichten Mountainbikes. Warum? „Weil dich das schneller macht“.
Somit ist klar belegt, daß der leichteste Teilnehmer im Feld die besten Chancen auf den Sieg hat – unter der Voraussetzung einer nicht allzu stark variierenden Leistungsbandbreite des Feldes, d. h. die Teilnehmer unterscheiden sich zwar erheblich im Gewicht, aber nur bedingt von der erbringbaren Leistung.

Noch vor dem Ende der Langgasse zweigt man ab in den neuen Streckenabschnitt über den Ladinsweg zum Schloßbauern. Der Schotterabschnitt zeichnet sich durch eine abrupte Steigungsänderung gleich nach dem Abzweig aus.
Zieht man die Leistung ebenfalls in Betracht, kann es vorkommen, daß auch schwerere Personen Chancen auf bessere Ränge haben. Manche kompensieren den Nachteil ihrer großen Masse durch höhere Leistung – sofern sie können, d. h. sie müssen ungleich besser trainiert sein als die im wahrsten Sinne „Leichtathleten“.
Im speziellen Fall eines Bergsprints stellt sich daher die eingangs erwähnte und berechtigte Frage, was eigentlich durch das Reihen nach Zieleinlauf bzw. durch die Zeitnehmung belohnt wird. Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich nun die Antwort: Bevorteilt werden möglichst gewichtsarme Personen, die gar nicht mal übermäßig viel leisten müssen, um schnell zu sein, bei denen also Muskeln eine untergeordnete Rolle beim Gewinnen spielen.
Entsprechend benachteiligt werden jene, die mehr Gewicht auf die Waage bringen – aber nicht durch Fettbäuche bewirkt, sondern durch ausgeformte Muskeln. Plakativ gesprochen: Federgewicht Andreas Goldberger mit seinen 55 kg schlägt den stämmigen Naturburschen Hermann Maier bei einem MTB-Bergsprint nach Zeit um Hauslängen ob der Gewichtsdifferenz von über 30 kg. - Das leuchtet unmittelbar ein.
Wenn man diese – einfachen – Zusammenhänge verstanden hat, wird man auch sämtliche Bemühungen von Veranstaltern zum Scheitern verurteilen, die mit allen möglichen Ideen versuchen, Teilnehmer „mit Durchschnittsstatur“, also einem mittleren BMI, zu solch herkömmlichen Bergrennen zu locken: Keine Teamwertung, keine Kombinationswertungen mit anderen Veranstaltungen (etwa mit Läufen) und auch keine Zugaben wie Tombolas, Teilnehmergeschenke oder Gratisbuffets oder gar „Mittelzeitwertungen“ ändern etwas am Prinzip der Bevorteilung von leichten Personen.
Ein Normalsterblicher sieht also all diese Bemühungen der Veranstalter nicht, er sieht – zu Recht - nur die für ihn „ausgemergelt wirkenden Gestalten“, gegen die er nie im Leben eine Chance bergauf haben kann, weshalb unmittelbar die Entscheidung folgt: „Teilnahme sinnlos“ - erst recht, wenn ihn das Mitmachen auch noch Geld kosten würde, wo er doch genau weiß, daß er um rund € 15,- (die derzeit typische Nenngeldhöhe) ein relativ fürstliches Mahl beim Wirten ums Eck erhalten kann anstatt eines bloßen Gratisbuffets mit Cola und Kuchen auf der Alm, auf die er sich auch noch unter größter Anstrengung – und ggf. zu seiner Schande ob der schlechten Zeit – hinaufquälen muß.

Dieser Auszug der Wattwertung beim letztjährigen "Kolsaßberg-Classic" listet exemplarisch 31 Personen der Kategorie "Herren" sortiert nach ihrer erbrachten physikalischen Leistung (Spalte "Watt"). Die Rangspalte enthält zum Vergleich die Platzierungen nach reiner zeitlicher Reihung. Deutlich erkennt man, wie es das herkömmliche Stockerl "zerreißt" und Teilnehmer in die oberen Ränge gelangen, die sonst wegen ihres (zu) hohen Gewichts untergingen. Die oberen Plätze sind belegt von den bärenstarken Typen, während Leichtgewichte, denen es an Muskeln (und damit an Gewicht) fehlt, keine Chance auf Stockerlplätze erhalten.
Solche Gedanken treten nicht in Erscheinung, wenn man einen Bergsprint als das nimmt, was er wirklich darstellt, nämlich ein Gewichtheben. Nichts anderes passiert: Massen werden von Seehöhe A auf Seehöhe B bewegt, also angehoben. Und wer ist beim Gewichtheben üblicherweise der Sieger? Genau! Der, der am meisten stemmt. Beim Radrennen kommt noch der eh schon bestehende Faktor Zeit hinzu – fertig ist die „Wattwertung“ bzw. Leistungsbewertung gemäß Leistung = Gewicht mal Höhendifferenz dividiert durch Zeit.
Eine solche Wattwertung gewinnt nicht mehr notwendigerweise der leichteste Teilnehmer, sondern jener, der „trotz“ hohen Gewichts relativ schnell im Ziel ist. Er muß dazu nicht der Schnellste sein, aber in Relation zu anderen Teilnehmern der Stärkste, derjenige eben mit der höchsten erbrachten physikalischen Leistung. Und plötzlich steht der Herminator statt Goldi ganz oben auf dem Podest – zu Recht, denn er hat ja mehr gehoben, also nachweisbar mehr geleistet.
Man muß dazu gar keine Rechenbeispiele erfinden, solche Wattwertungen wurden schon real durchgeführt – und sie belegen die angestellten Überlegungen: Wer bei der Reihung rein nach Zeiten „untergeht“, kommt bei der Reihung nach Watt wieder ans Tageslicht, respektive in jene Regionen der Ergebnislisten, die er sich ob seiner Leistungsfähigkeit „verdient“.
Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Die Reihung rein nach erreichten Zeiten ist selbstverständlich legitim, nicht zuletzt stellt sie gelebte Praxis dar.
Eine „Wattwertung“ ist aber genauso legitim – vor allem hinsichtlich des Bestrebens der Veranstalter, über eine gewisse Anzahl von Teilnehmern hinauskommen zu wollen, denn gelebte bzw. erlebte Praxis ist ja das Stagnieren der Teilnehmerzahlen. Offenbar gibt es nämlich aus der Menge leichter Personen nur eine bestimmte Teilmenge, die auch Bergaufradrennen bestreiten will – im Tiroler Unterland sind das so um die hundert Personen, die pro Rennen dabei sind. Vor Jahren waren es um die 150. Ein Drittel davon hat sich abgewendet – vielleicht aus besagtem Grunde, daß nämlich ohne Hungerkur ein Teilnehmen sinnlos erscheint, weil durch die Zeitnehmung eine Selektion auf BMI-Reduzierer erfolgt.
Der organisatorische Mehraufwand würde sich wohl auszahlen ob des zu erwartenden höheren Teilnehmerzuspruchs – und auch die Außenwirkung wäre vielleicht eine bessere, denn wen kürt man lieber: den stärksten Typen aus dem Dorf, oder den schlakigsten Typen Tirols?
Aber wahrscheinlich ist das alles nicht stichhaltig und gar nicht wahr, weil sonst gäb's ja sicher schon viel mehr Rennen nach bzw. mit Wattwertung und nicht nur zwei, drei. Oder – andere Möglichkeit: Ist „der Tiroler Radsport“ einfach zu sehr fixiert auf die paar Topleute, die man eh immer – und das teils schon seit Jahren – in den Ergebnislisten findet, sodaß für „die Hobbysportler“ nichts mehr getan wird? Wollen Veranstalter vielleicht gar nicht mehr Hobbyradler bei den Rennen haben? - Wenn doch, böten sich ein paar Experimente mit der Wattwertung an, um die Auswirkungen in größerem Maßstab studieren zu können.
Links:
- WSV-Thaur (Veranstalterseite)
- Renneindrücke von Charly Jäger ("Die alte Strecke mit viel Asphalt ist wohl etwas länger [...]")
- Renneindrücke von Roland Striemitzer ("[...] doch etwas längsamer ist als auf dem alten Weg")
- Renneindrücke von Richard Obendorfer ("[...] glaube fast, dass das Kuchenbuffet noch nie so gut war wie heute")
- Renneindrücke von Christian Rapp ("Die Organisation war wieder einmal top")
- jede Menge Fotos auf sportfotos-andre.at
- weitere Fotos (Picasa-Webalbum von BikeArea Tirol)
- Kolsaßberg-Classic - das Tiroler Bergrennen mit zusätzlicher Wattwertung


Toller Bericht! An den Zeilen ist durchaus etwas Wahres dran. Ich finde auch, dass die Leistung von so manchem “Schwergewichtler” mehr gewürdigt gehört. Den Teilnehmerzahlen würde es bestimmt nicht schaden. Vielleicht würde dann der eine oder andere “leichte Fahrer” seine Rennmaschine schwerer machen, um mehr leisten zu müssen
!
Erstmals möcht ich dir zum Super Bericht und deiner tollen Seite gratulieren!
). Den ganzen Vergleich kann man auf zig verschieden Sportarten umlegen ( Berglauf, Schitourenrennen, Basketball usw…).
Mit der ganzen Geschichte hast du natürlich schon recht, aber: Meiner Meinung nach macht man doch den Sport den man gerne macht und für den man auch physisch so halbwegs geeignet ist
Das Goldi bei einem Bergsprint den Herminator abhängt naja…….. deswegen war Goldi ja auch ein Super Schispringer (weil dort hätte ein Herminator trotz seiner Kraft ziemlich alt bzw. kurz ausgesehn ), und umgedreht ob Goldi einen sauberen Carveschwung auf einer so arschglatten, eisigen Weltcuppiste hinbringt, bezweifle ich stark. Ich finde es natürlich auch schade das gerade der richtige Hobbyfahrer bei den diversen Radveranstaltungen fehlt und wie du schon schreibst, keine Lust hat sich mit den “Rennhendln” zu vergleichen um dann noch blöd angemacht zu werden von denen, die glauben alles zu wissen, aber nur eine große Klappe haben.
Ich bestreite seit ca. 6 Jahren diverse kleinere Bergrennen (ca. 5-8 St. pro Jahr)und bin platznmäßig in der Mitte bzw. im vorderen Drittel des Klassements( wenns mal gut läuft sogar im vorderen Viertel …;-) ). Mir macht das Ganze trotz der Plagerei viel Spaß, messe mich auch gerne an den ganz Schnellen , und vielleicht das Wichtigste: Ich fahr ja für mich und für niemand anderen (muß ja Gott sei Dank kein Geld damit verdienen!). Eins möcht ich natürlich auch noch festhalten,so eine Vielzahl an Veranstaltungen dieser Art hat es vor 10-15 Jahren auch nicht gegeben somit wird es natürlich für jeden Veranstalter immer schwieriger ein vernünftiges Teilnehmerfeld an den Start zu bringen. Mal sehn wo sich die ganze Sache hinentwickelt. Ein wenig mehr Anstrengung der Veranstalter um den Hobbysportler wieder an den Start zu bringen, wäre eine tolle Sache.
Schönen Tag noch
Gruß Christian
Ein sinnloser Bericht. Jede Sportart benötigt eigene ganz spezifische körperliche Voraussetzungen. Es gibt ja nicht nur Uphillrennen an denen man teilnehmen kann oder? Weniger rechnen und einfach nur den Sport geniessen….
Ich hätte mich über einen Bericht über das Thaurer – Alm Rennen mehr gefreut.
Kann mich Roland nur anschließen.
Sinnlos, unrichtig und beleidigend zugleich.
klingt als hätte den Bericht einer gschriebn der den Bergspezialisten nix gönnt und selber etwas zu schwer für die Uphill Rennen ist, gscheider andere Rennen fahren und die richtigen Sieger (also die Schnellsten) etwas mehr würdigen!
Der Autor ist kaum schwerer als ich, aber viel größer. I denk, da kann ich auch im Freibad bestehen