Interview Harald Berger

Tiroler Radsport : Schön dass du so kurzfristig Zeit gehabt hast. Du bist Sportlicher Leiter des Teams Radland Tyrol. Wie bist du mit Eurer ersten Saison bisher zufrieden?

Harald Berger: Wir sind sehr zufrieden, wir sind die ganze Saison über überraschend stark. Wir haben sehr auf die Jugend gesetzt, sind ein reines U23 Team. Daher haben wir die Erwartungen auch bewusst niedrig gehalten. Matthias Krizek ist eine sehr starke Saison gefahren, wurde beim Rennen in Judendorf 4., sicherlich das schwerste Eintages Rennen in Österreich, er wurde bei der EM 30. und hat sich damit auch für die WM qualifiziert. Er hat lange in der U23 Wertung im Tchibo Cup geführt.

TR: Was war bisher Euer Highlight?

HB: Wir sind grossteils Rennen in Österreich gefahren, wenn man sich beim Tchibo Cup meldet ist man ja verpflichtet mit mindestens 3 Fahrern anzutreten. Highlight war sicher dass wir bei der Türkei Rundfahrt starten durften wo ja auch Pro Tour Teams am Start standen. Leider hat das Ergebnis gefehlt, aber allein das Antreten hat sich gelohnt.

TR: Mit wem seid Ihr dort am Start gestanden?

HB: Von den Pro Tour Teams waren Astana, Lotto, Lampre und Milram am Start, es waren Andreas Klöden und Petacchi am Start. Selle Italia war am Start. Es war schon ein tolles Erlebnis neben so namhaften Fahrern zu stehen.

TR: Andreas Klöden und Petacchi sind ja absolute Topfahrer. Wie gross ist die Kluft zwischen den Stars und U23 Fahrern im ersten Jahr?

HB: Ich würde die Kluft gar nicht als so gross bezeichnen. Wir sind mit einer etwas geschwächten Mannschaft am Start gestanden. Vier unserer Fahrer haben die Matura gemacht, da kann man sich natürlich auch nicht so auf das Sportliche konzentrieren. Matthias Krizek war am 2. Tag mit Andreas Klöden in der Spitzengruppe und ist dann bei einem Bahnübergang zu Sturz gekommen wo ihm der Rahmen gebrochen ist und er das Rennen hat beenden müssen. Aber ich glaube die Kluft selber ist gar nicht so gross, 1 % macht da schon sehr viel aus. Wir sind mit 10.000 Trainingskilometern zum Rennen gekommen, ein Klöden hat wahrscheinlich schon allein 7-8000 Rennkilometern in den Beinen und er hat einfach mehr Erfahrung. Das Ziel des Radteams Tyrol ist es jungen Fahrern eine Plattform zu bieten um Ihren Sport professionell ausüben zu können. Sie brauchen einfach noch Zeit, aber ich bin zuversichtlich dass der eine oder andere den Sprung in ein Profiteam schafft.

TR: Du sagst Trainingskilometer, wieviele Kilometer spulen denn deine Jungs so ab?

HB: Ich schätze dass Sie so um die 25 - 30.000 Kilometer fahren werden.

TR: Also schon Profiniveau.

HB: Ja, ich habe es ja bei mir selbst gesehen, es ist fast kein Unterschied ob man Amateur oder Profi ist, das Training beinhaltet beinahe das gleiche. Ein Profi hat den Vorteil dass er mehr und härtere Rennen fährt und sich so die Grundlage holt.

TR: Stichwort Trainingskilometer. Kostet ja alles Geld. Ihr seid sehr stark von Sponsoren abhängig. Wie schaut es in Tirol aus?

HB: Es ist mit den Sponsoren glaub ich immer ein Kampf. Je mehr Geld desto besser, ich glaube man kann nie genug haben. Jedes Team muss schauen dass es Sponsoren auftreibt. Unser Teammanager Thomas Pupp, der selbst ein Werbeagentur hat, ist gemeinsam mit Georg Totschnig, unserem prominentem Teamdirektor gut gestartet.

TR: Georg Totschnig, greift er auch ins operative ein oder ist er nur ein Zugpferd für die Sponsoren?

HB: Der Georg macht natürlich alles im Hintergrund, hat uns bei der Sponsorensuche sehr geholfen. Es hat aber jeder Fahrer seine Handynummer und kann ihn 24 Stunden am Tag anrufen wenn er eine Frage hat. Er war beim Teammeeting in Hochfügen mit. Ich kann ihn jederzeit anrufen, es ist auch mein erstes Jahr und wenn ich unsicher bin hilft er mir natürlich.

TR: Du warst selbst Radsportler, hast es auch in ein Profiteam geschafft. Wie ist der Sprung für einen U23 Fahrer zu den Profis, zu den ganz grossen?

HB: Es ist sicher der grösste Sprung den ein Fahrer machen muss. U13, U15, U17 sind kleiner Sprünge. Der grösste Unterschied liegt in der Renndistanz. Bei den Junioren fährt man maximal mal 130 Kilometer im Rennen, dann wartet bei den Profis plötzlich der erste 200er im Renntempo, den man früher vielleicht mal im Training gefahren ist. Und natürlich auch die Geschwindigkeit. Es wird auch in Österreich kaum ein Rennen unter 40 Schnitt gefahren. Beim Tchibo Cup sind es auch immer zwischen 160 und 200 Startern und die könenn schon radfahren. Das Leistungsniveau ist schon sehr gestiegen. Es gibt einen Glomser, einen Riebenbauer, einen Trampusch. Die sind alles Topprofis, die schon mal einen Giro gefahren sind, und krebsen jetzt in Österreich herum. Trampusch war auch schon mal 3. bei einem Giro.

TR: Ihr seid jetzt ein Continental Team. Traust du es einem deiner Burschen zu dass er es einmal zu einem internationalen Top Team der ersten Liga schafft?

HB: Das wäre natürlich für unser Team ein Traum wenn wir zumindest einen Fahrer, was von der Ausbeute her ganz gut wäre, in ein Top Team bringen würden. Wir haben mit Jaqueline Hahn ja auch eine Frau, einen Junior. Sie ist bei der EM beim Zeitfahren hinter einer Ukrainerin 2. geworden, 14. bei der WM. Sie fährt nächstes Jahr noch ein Jahr bei uns, hat dann aber beste Chancen ins Ausland zu gehen. Es hat ein Matthias Krizek in Slowenien eine Bergwertung gewonnen und war 2. bei einer Sprintwertung weil er 70 km in der Spitzengruppe war. Es ist dann ein Teammanager von Lampre ins Ziel zu mir gekommen und wollte wissen was Krizek nächstes Jahr macht, wir sollen ihm die Telefonnummer geben, er hätte Interesse. Es ist für einen Österreicher natürlich schwierig ins Ausland zu gehen. Aber ich glaube wenn sich unsere Jungs weiter so entwickeln dass mindestens einer den Sprung schafft.

TR: Strapaziertes Thema: Doping: Wie geht ihr im Team damit um?

HB: Es ist so dass das Land Tirol grössten Wert darauf legt einen dopingfreien Sport zu haben. Es ist auch in den Fahrerverträgen verankert dass Doping kein Thema sein darf. Ich bin froh dass das so ist, dass ich für jeden meiner Fahrer die Hand ins Feuer legen kann. Wir arbeiten auch mit der Uniklinik zusammen mit dem Kühndl Fritz....

TR: Und da werden dann Dopingtests gemacht?

HB: Das nicht, aber zum Beispiel hat Matthias Krizek heuer bereits drei Kontrollen gehabt weil er auffällig stark gefahren ist. Man würde bei den Tests eine plötzliche Leistungsexplosion natürlich auch sofort sehen und sagen Hoppala, was ist da los. Wir legen höchsten Wert darauf einen dopingfreien Sport zu haben. Wir sind alle gebrandmarkte Kinder, gerade die Tour war wieder ein leidiges Thema. Wir setzen bewusst auf die Jugend, hier muss alles passen.

TR: Thema Fördergelder. Ihr habt vom Land doch einiges erhalten. Es gibt natürlich Neider. Jeder schaut genau was das Radland Tyrol jetzt macht.

HB: Neider gibt es in jeder Sportart. Je besser dass man ist, desto mehr Neider gibt es. Es ist so dass wir die Fördergelder bekommen haben weil wir ein wirklich sehr junges Team haben. Das Beste was es in Tirol auf 2 Rädern gibt fährt bei uns. Wir wollten mit 8 Fahrern starten, haben dann auf 10 Fahrer aufgestockt. Leider war es heuer ein sehr schwacher Jahrgang. Wir hatten das Pech dass sich Robel Tedros verletzt hat und Federspiel Daniel, ein Megatalent, nach dem 3. Rennen WO gegeben hat. Ich glaube aber dass die heurige Saison aber bewiesen hat dass wir die Gelder zu Recht bekommen haben. Krizek ist hinter Sokol vom Team Volksbank momentan die Nummer 2. Wir haben 6 Fahrer unter den Top 10 der U23 Fahrer. Nächstes Jahr kommen Mayr nach, es kommt Schriebl nach.

TR: Wird das Team aufgestockt oder müssen Fahrer gehen?

HB: Die Saison ist noch lange, es können sich noch Fahrer in die Auslage fahren. Wir möchten aber das Team aufstocken auf 14-15 Fahrer, schauen wir mal. Dann könnten wir bei Rennen auch zweigleisig fahren. Die Entscheidung fällt dann im September, da können wir dann mehr sagen. Wir setzen uns mit den grossen Nachwuchsteams wie Scott Lattella oder Kleider Mair Inzing zusammen, da werden dann auch Fahrer vorgeschlagen die für unser Projekt in Frage kommen.

TR: Man vermisst doch ein bisschen Leistungen bei den Tiroler Klassikern. Ihr wart nicht dabei bei der Hinterhorn Alm, ihr seid jetzt im Kühtai nicht dabei. Wie erklärst du das?

HB: Wir hatten einen eng gedrängten Rennplan, sind im Ausland gefahren. Nächste Woche haben wir die Tiroler Meisterschaften im Zeitfahren, die für uns einen hohen Stellenwert hat. Kühtai? Zwei von uns fahren in Graz, ein Fahrer wohnt in Wien, der fährt auch nicht für ein paar Kilometer nach Innsbruck, Autofahren ist für Radlerbeine ja ohnehin Gift. Andere wollten bewusst eine Pause machen. Wie vorher gesagt, bei einem grösseren Kader tut man sich dann eben leichter auch bei so einem Bergrennen mal am Start zu stehen. Natürlich ist es blöd bei so einem Rennen nicht am Start zu stehen. Wir legen unsere Priorität eben auf den Tchibo Cup, nicht auf solche Rennen.

TR: Was können wir uns für die heurige oder die nächste Saison noch erwarten?

Wie gesagt, es stehen noch einige Rennen am Programm. Tiroler Meisterschaft, wäre schön ein Stockerl mit drei Fahrern von unserem Verein zu sehen. Für uns muss ein Sieg her, das erwarten wir uns. Wir fahren noch ins Burgenland, dann noch Linz - Passau - Budweis, eine dreitägige Rundfahrt. Dann steht in Schwaz ein weiteres Cup Rennen am Programm bevor in Tschechien ein 250 km Rennen als Saisonausklang am Programm steht. Wir hoffen dann dass Matthias Krizek noch die WM in Varese fährt. Ende September wären wir noch zu einem Paarzeitfahren in der Normandie eingeladen, wir wissen aber noch nicht ob wir uns das antun für 50 Kilometer diese Strapazen.

TR: Und nächste Saison?

HB: Wir hoffen auf einen grösseren Kader um dann auch Rennen in Italien zu fahren die für die sportliche Zukunft der Fahrer immens wichtig wären. Die Aufmerksamkeit der ausländischen Teams ist dort eben doch höher als in Österreich wo man ein Tchibo Cup Rennen gewinnen kann, was aber eben international keinen interessiert. Wir hoffen auf Rennen und Rundfahrten im Ausland, eventuell auch wieder in der Türkei.

TR: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin alles Gute.

HB: Danke.